Dienstag, 31. Mai 2016

Nachts wenn der Teufel kommt











Die Schnecken

Rötlich dämmert es im Westen
Und der laute Tag verklingt,
Nur daß auf den höchsten Ästen
lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken,
Wo es still verborgen blieb,
Rüstet sich das Volk der Schnecken
Für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne.
Schwach nur ist das Augenlicht.
Dennoch schon aus weiter Ferne
Wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete,
Immer auf dem nächsten Pfad,
Finden sie die Gartenbeete
Mit dem schönen Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen,
Bis zum Morgensonnenschein
Nagen sie geheim und dringen
Tief ins grüne Herz hinein.

Wilhelm Busch

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.


Roboter jagt Schnecken

Britische Forscher arbeiten an einem Roboter, der Schnecken aus Gärten und Felder einsammeln kann. Seine Antriebsenergie soll der `Slugbot´ aus Biogas beziehen - das aus den Schnecken gewonnen wird. Erste Feldtests wollen Ian Kelly und seine Kollegen von der University of the West of England Anfang nächsten Jahres durchführen.

Der Prototyp besteht aus einer 45 Zentimeter großen Aluminiumbox auf vier Rädern, in der die Steuereinheit, die Batterie und eine Reihe sparsamer Elektromotoren sitzen. Die Schnecken werden mit einem ausfahrbaren, drehbaren Greifarm aus Kohlefasermaterial eingesammelt, der in einem dreifingrigen Greifer endet. Die maximale Sammelgeschwindigkeit beträgt etwa zehn Schnecken pro Minute.

Der Slugbot soll bis zu zehn Schnecken pro Minute einsammeln.

 
Da seine `Beute´ nachtaktiv ist, soll auch der Schneckenjäger nachts auf Sammelfahrt gehen. Der Suchmechanismus funktioniert nach einem relativ simplen Prinzip: Der Roboter strahlt rotes Licht auf den Boden im Umfeld. Der Bildsensor sieht die Schnecken hinter einem roten Filter als leuchtend weiße Flecken vor dunklem Hintergrund. 

Per Bilderkennungssoftware prüft Slugbot, ob diese Flecken tatsächlich die korrekte Schneckenform haben. Pro Quadratmeter dürften sich laut Kelly beispielsweise in einem Feld mit Winterweizen bis zu 200 Schnecken tummeln. Wenn der Sammelbehälter voll oder die Batterie leer ist, soll der Roboter zu einer Basisstation zurückkehren. Den Weg dorthin findet er mit Hilfe des Differential Global Positioning System (DGPS) und mit einer Infrarot-Suchautomatik. Hindernissen soll Slugbot mit Hilfe von Sonar und Berührungssensoren ausweichen. An der Bodenstation kommen die gesammelten Schnecken dann in eine Fermentierungskammer, wo Bakterien sie zu Biogas umwandeln. Das Biogas befeuert eine Brennstoffzelle, aus deren Strom die Roboterbatterie aufgeladen wird. (wst)
c't 24/1999, S. 60

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