Samstag, 23. Juli 2016

Als ich noch klein war

Update 26.Juli
"Wer vor fünfundzwanzig Jahren Kind war, hat schon Mühe, zu erklären, wie anders das Leben damals gewesen ist. Wer vor fünfzig Jahren Kind war, lebte tatsächlich in einem anderen Land, in einer anderen Welt. Es ist mehr fort als blieb. So groß sind die Unterschiede, dass es kaum möglich ist, sie den Jungen zu erklären, ohne komisch zu wirken."
Volker Zastrow, FAZ Herbst 2015

Als ich noch klein war, so ungefähr 120cm und in den späten 50er Jahren, 
gab es für mich, für uns und überhaupt:


Keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank, keine Spülmaschine, keinen Elektroherd, keinen Staubsauger, überhaupt keine elektrischen Geräte, allenfalls ein Bügeleisen
dafür
  • wurde in großen Bottichen gewaschen, die Wäsche wurde mit großen Paddeln umgerührt und das war Schwerstarbeit, die nur von den Hausfrauen ausgeübt wurde;
  • gekühlt wurde im Winter auf dem Fensterbrett und im Sommer kaufte man Stangeneis in Blöcken, für 20 Pfennige auf der Straße, direkt vom Wagen herunter für den "Eisschrank",


  • statt Staubsauger gab es einen großen "Blocker",(https://de.wikipedia.org/wiki/Bohnerbesen) mit dem das Linoleum auf Hochglanz gebracht wurde.
  • Strom und Gas gab's oft nur gegen Barzahlung: man musste Münzen in einen Apparat werfen, dann wurde es wieder hell und der Gasherd brannte wieder; meistens wurde auf einem Herd mit Holz- und Kohlebefeuerung gekocht; heißes Wasser wurde in einem eigenen Behälter quasi nebenbei produziert;
  • Fernsehen gab es nur in wenigen Kneipen, wo sich alle um das kleine Gerät scharten, das hoch oben an an der Wand hing und ab dem frühen Abend ein einziges Programm anbot (am Sonntag schon vormittags, z.B. das berühmte "Neujahrsspringen").

Kein Telefon, kein TV, kein Handy, keinen Computer
dafür aber
Briefe, Postkarten, Telegramme, sehr große Radios mit einem magischen "grünen Auge" und sehr viel Rauschen auf Mittelwelle-Sendern wie Beromünster, Monte Carlo, Radio Luxemburg.



Für bewegliche Bilder konnte man sonntags ins Resi in die Kindervorstellung gehen und sich Märchenfilme anschauen, manche sogar in Farbe!

Keine Computerspiele, keine 'virtual reality'
dafür Gruppenspiele je nach Saison:
  • Klickern mit bunten Ton- oder seltener Glasmurmeln ("Marvle");
  • Münzen an die Wand oder auf einen Strich werfen und anschließend damit "würfeln",
  • Cowboy und Indianer spielen,
  • mit dem Ball an die Wand werfen, nach einer komplizierten Reihenfolge in die Hände klatschen und dazu Reime aufsagen (nur Mädchen),
  • eine Art Baseball, aber mit Holzstock und beidseitig angespitztem Holzkeil,
  • Verstecken und Fußball im Hof und auf der Straße (ganzjährig),
  • manchmal auch Streit mit Gruppen aus anderen Stadtvierteln ("Kalabrich"), mit Kriegszügen und Steinewerfen in feindlichem Gebiet.
Wir waren immer draußen und die Eltern wußten eigentlich nie wo genau. Spätestens zum Abendessen oder bei Einbruch der Dunkelheit war man lebend und meist unverletzt wieder daheim.

Keine Armbanduhr, es sei denn man ging schon zur Kommunion oder Konfirmation, das war dann das Geschenk zum Eintritt in das Erwachsenenleben;

Keine Jeans, keine Jogginghhosen, keine T-Shirts, keine Hoodies, keine Basecaps, keine Nylon-, Perlon- oder sonstige Kunstfaserhemden oder -hosen;
dafür
Hosen aus Wollstoff (furchtbar im Regen) oder Gabardine (furchtbar auch ohne Regen), Baumwollhemden, Arbeitsdienstmützen; wenn man noch jünger war auch kurze Hosen mit braunen langen Wollstrümpfen darunter (noch furchtbarer).

Keine Sneakers oder Joggingschuhe,
dafür
2 Paar Lederschuhe pro Jahr: im Sommer meistens Sandalen und im Winter hohe Halbschuhe, außerdem Turnschuhe für die Schule (aus einem schwarzen, gummiartigen Stoff), die bald sehr merkwürdig rochen.

Keine Softdrinks, keine Icetees, kein 125 verschiedene Sorten Fruchteis,
dafür
  • Wasser aus dem Wasserhahn, manchmal Zuckerwasser,
  • "süßes" Mineralwasser (mit Zucker und/oder Zitronenaroma) oder saures Mineralwasser (ohne Zucker),
  • sehr selten Bluna oder Sinalco, noch seltener Coca-Cola in der 0,25l-Flasche für 25 Pfennig und 20 Pfennig Pfand;
  • Erdbeer- und Vanille-"Eis am Stiel" von Langnese in Staniolpapier für 20 Pfennig, später auch Capri, aber das war teurer.


Keine fertig verpackten Süßigkeiten außer Schokolade und "Ahoi-Brause;
dafür
Karamelbonbons einzeln für 1 oder 2 Pfennig und saure Drops in Brombeerform, alles in kleinen Tütchen oder in die Hand, manchmal schwarze Rollen "Bärendreck", auch als Lakritze bekannt.

Zu essen gab es keine Pizza, keine Pommes, keinerlei Tiefkühlkost, kein Caprese
dafür
Kartoffeln mit Gemüse, Kartoffelsuppe, Bratkartoffel, Kartoffeln mit Rahm oder Kartoffelbrei mit Sauerkraut; Eierpfannkuchen mit Pilzen oder im Sommer auch mal mitHeidelbeeren, sonntags Markklößchensuppe, Schweinebraten mit brauner Sauce und Salzkartoffeln oder Spätzle und Salat. Montags gabs dann Linsen mit Spätzle vom Vortag.

Keinen "bargeldloser Zahlungsverkehr", kein Girokonto, kein Euroscheck, keine EC-Karte
dafür
  • Lohn und Gehalt bar in Tütchen, die freitags oder am Monatsende direkt den Mitarbeitern in die Hand gedrückt wurden, (freitags waren deshalb die Kneipen immer voll)
  • die Rente für Opa gab's vom Geldbriefträger, der das Bargeld direkt an der Wohnungstür auszahlte;
  • zur Kommunion bekam man von der Sparkasse ein Sparbuch geschenkt mit einer Ersteinlage von 5 DM(!) - das wären heute umgerechnet mindestens 25€!

Ich lebe heute in einer total anderen Welt!

Mehr zum Thema gibt es auf:
und
und auch hier:

EineZeitreise in die 60er

Als ich dann größer (so ca 1,70m) und älter wurde (13 Jahre), also Anfang der 60er Jahre

  • wurden die Radios immer kleiner , sog. Transistorradios, die aus Japan oder Taiwan kamen, jetzt ohne grünes Licht aber immer noch mit Rauschen;
  • gab es beim Nachbar den ersten Fernseher mit sehr kleinem SW-Bildschirm (eher blau-weiß) in einer sehr großen Vitrine – und man brauchte von der Post eine Genehmigung für den Empfang!;
  • wurde ein richtiger Kühlschrank angeschafft und es gab im Sommer auch mal selbstgemachtes Eis;
  • gab es zunehmend Telefone in Privathäusern; sie waren mit einem festen Kabel an der Telefondose an der Wand verbunden, hatten eine Wählscheibe wurden von der Post angeschlossen und blieben Eigentum der Post; sie waren zuerst klobig und aus schwarzem Bakelit; später dann beige und etwas handlicher. 
  • immer mehr Autos sah man und das Spielen auf der Straße wurde unmöglich;
  • trug man Hemden aus Kunstfasern wie Nylon und Nyltest, die merkwürdig rochen, wenn man schwitzte;
  • gab es Jeans, natürlich Levis, die man 20cm länger kaufen musste weil sie bei der ersten Wäsche einliefen und sehr viel Farbe verloren;
  • den Geldbriefträger sah man jetzt im Fernsehen und er hieß Herr Sparbier
  • gab es immer noch als Kommunikationsmittel Briefe, Postkarten und zum Geburts- oder Hochzeitstag manchmal Telegramme (mit Schmuckbild);
  • bekam ich einen Plattenspieler geschenkt, von Grundig und transportabel! Im Deckel war der Lautsprecher, so dass man das Gerät auch auf Parties mitnehmen konnte;
Bild nur ähnlich
  • kauften wir uns kleine Schallplatten, die überall das gleiche kosteten, nämlich 5 DM, Langspielplatten 18 DM;
  • und im Kino gab's Capri von Langnese:


München 22.7.2016

Laut Polizeibericht soll die Tatwaffe in München eine 9mm Glock gewesen sein.
In den USA gibt es diese auch in einem farblich ansprechenden Modell 'Tiffany' zum Schnäppchenpreis von $699 online zu kaufen.
Motto: "Schöner schießen mit Glock":
(Add to wishlist)

OMAHAOUTDOORS.COM

Montag, 18. Juli 2016

Leichen pflastern ihren Weg

Am Wochenende vom 15. bis 17. Juli waren wir (wieder mal) im Südschwarzwald /Hotel Peterle, um uns 2 Tage verwöhnen zu lassen: Ich brauche nicht zu kochen und Sabine nicht zu spülen. Kostet halt was.


Am Samstag sind wir den 'Schluchsee Jägersteig' gelaufen, genauer: Vom Hotel in Hinterfalkau nach Aha, anschließend am See entlang nach Schluchsee und über den Bildstein nach Aha und zurück zum Hotel. 

Das hat den ganzen Tag gedauert, dabei einiges Überraschendes ans Tageslicht gebracht was dazu führte, dass wir unser Bild vom Schwarzwald als einem Ort des Friedens und der Beschaulichkeit revidieren mussten:



Urtierchen

Damit war das Abenteuer jedoch noch nicht zu Ende. Wir mieteten ein Boot und kreuzten mutig und verwegen die Linien der Schluchsee-Kreuzschifffahrt. Zum Abschluss gelang es mir mit einem festen Tritt ins Wasser unser Boot auch wieder heil an Land zu bringen:
Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen!

Samstag, 9. Juli 2016

Herbst 1966: Ein Fernsehgerät für meine Eltern

Seit fast einem halben Jahr wohne ich nur noch sporadisch bei meinen Eltern, da ich im zarten Alter von 16 Jahren im fernen Ingelheim eine Lehre als Chemielaborant begonnen habe und nur noch einmal im Monat nach Hause fahre.

Jetzt ist für meine Eltern die Zeit gekommen, sich endlich ein Fernsehgerät anzuschaffen. Die Jahre vorher wollten sie mich vor dem schädlichen Einfluss des Mediums bewahren und deshalb gab es Fernsehen nur bei Nachbarn oder Freunden.

Sie gehen zur örtlichen Rheinelektra, kaufen sich ein Schwarz-Weiß-Gerät und schließen es zu Hause an die Satellitenantenne an.

Bei der Post müssen sie eine „Fernseh- und Rundfunkgenehmigung“ beantragen, die am 13.9.1966 auch tatsächlich bewilligt wird. Eine schwenkbare Innenantenne haben sie sich auch schon besorgt, so dass das Fernsehzeitalter bei meinen Eltern beginnen kann.