Montag, 19. Juni 2017

Hail to the Chief oder: Von der Geschichte lernen heißt siegen lernen

Das scheint der Wahlspruch D.Trumps zu sein: Was bei Stalin, MaoTse-tung und Kim Il-sung funktioniert hat, kann nicht schlecht sein. 
 Ich bin mal gespannt, wann die ersten Schauprozesse folgen, denn das wäre der nächste Schritt nach den Untergebenheitserklärungen der engsten Mitarbeiter:

Sonntag, 18. Juni 2017

Mayday, Mayday, Mayday

(Bullington Club 2, Class of '87: David Cameron; 8: Boris Johnson)

Über die Qualität der englischen konservativen politischen Klasse kann man sich nur wundern:
Ein Premierminister (Cameron), der ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU durchsetzt um sich innerparteilicher Gegner zu entledigen, selbst aber für den Verbleib in der EU eintritt, die Abstimmung verliert und deshalb zurücktreten muss.

Ein Bürgermeister von London (Johnson), der die Front der Brexit-Befürworter anführt, aber nach dem Sieg sagt: "Danke, Jungs. War schön mit euch!" und sich aus dem Staub macht. Und dann als Außenminister wieder auftaucht, aber keine Ahnung hat.

Ein härtester Kämpfer für den Austritt (Nigel Farage), der nach dem Sieg den Parteivorsitz niederlegt und sich ausgerechnet ins Europaparlament zurückzieht.

Und eine Ministerin (Theresa May), die öffentlich gegen den Brexit auftritt - aber nicht zu oft und nicht sehr laut, zu den Verlieren also zählt, und nach der Niederlage das Amt des Premier Ministers übernimmt, im sicher geglaubten Aufschwung eine vorzeitige Neuwahl ansetzt, die absolute Mehrheit verliert und nun vom Wohlwollen einer kleinen, reaktionären Regionalpartei (DUP) abhängig ist, die am liebsten den Sexualverkehr am Sonntag abschaffen möchte.

Die Zügel fest in der Hand, der Karren im Dreck. Mal sehen, wann sich die Königsmörder aus der Kulisse trauen.

Mir tun die Briten leid: Nicht nur warmes Bier, dürftiges Essen, schlechtes Wetter und immer wieder versiebte Elfemeterduelle, sondern auch noch eine konservative politische Klasse, geprägt von Volltrotteln.


Zum Bullington Club: http://www.dailymail.co.uk/news/article-435875/Camerons-cronies-Bullingdon-class-87.html

Sonntag, 21. Mai 2017

Was die Hausfrau noch wusste #1

Achselschweiß bekämpft man am einfachsten 
mit Klopapierrollen. Je nach Stärke eine kleine 
oder große Rolle benutzen.
Tipp: Klopapier im Sommer vorrätig halten.
Haben Sie auch einen wertvollen Tipp?


Mittwoch, 17. Mai 2017

La France, Französisch and Me - Wie es weiterging

Nichts leichter als Französisch: 1970-72


Ich besuche das Hessenkolleg Wiesbaden und möchte Abitur machen. Im 3.Semester beginnt Französisch als verpflichtende 2.Fremdsprache. Das macht Spaß: Wir haben zwar ein Lehrbuch ('Salut'), aber im gesamten Halbjahr sprechen wir nur Sätze dem Lehrer nach, 'unterhalten' uns auf Französisch und müssen nichts schriftlich machen. Super!

Im 4.Semester beginnen wir zu lesen und zu schreiben, aber ich habe andere Interessen: Linke Politik und vor allem - China! Deshalb schwänze ich den Französisch-Unterricht sehr häufig - und im 5.Semester habe ich den Anschluss völlig verloren.

Ich bekomme mein Abitur nur unter der Voraussetzung, dass ich mich einer 'Feststellungsprüfung' stelle in der ich beweisen muss, dass ich über ausreichende Kenntnisse der französischen Sprache verfüge. Die Aufgabe: Ich soll in 4 Wochen Kenntnisse bis Kapitel 16 im Lehrbuch in einer mündlichen Prüfung nachweisen. Nichts leichter als das - denn ich bin schlau!

Ich setze mich zu Hause hin und lerne das 16. Kapitel auswendig, immer und immer wieder. Ich lese, repetiere und übersetze, Tag für Tag. Am Prüfungstag sitzt nicht nur die Prüferin mir gegenüber sondern alle Französisch-Lehrer und alle Lehrer, die mich sonst unterrichten.

Die Prüfung beginnt wie erwartet. Ich soll Kapitel 16 aufschlagen und lesen. Klappt! Dann soll ich den Text übersetzen - klappt auch. Dann stellt die nette Lehrerin mir Fragen - und jetzt klappt überhaupt nichts mehr. Ich verstehe kaum einen Satz, kann deshalb kaum korrekt antworten und verwechsle vor Aufregung Elle und Il und noch manch anderes. Eine Katastrophe. Ich werde hinausgeschickt, weil das Urteil gefällt werden muss. Es dauert.

Ein Französisch-Lehrer kommt heraus: "Wenn SIE Abitur bekommen, wandere ich aus!". Ein anderer Lehrer: "Besorgen Sie schon mal einen Strauß Blumen, ihre Lehrerin kämpft wie eine Löwin für Sie!"

Nach langer, sehr sehr langer Zeit endlich der Beschluss der Prüfungskommission: Note 4, damit Abitur bestanden! Yep!

Der aufgebrachte Französisch-Lehrer hat sich später tatsächlich nach Algier versetzen lassen.

Nach dem Abitur verbringe ich meinen ersten Urlaub in - Frankreich. Meiner Lehrerin schicke ich eine nette Karte aus Paris und bedanke mich herzlich für ihren Einsatz - natürlich auf deutsch.
In den folgenden Jahren gibt es kaum einen Sommer, in dem ich nicht Urlaub in Frankreich mache.

Nachtrag: Das damalige Buch 'Salut' hatte ein anderes Titelbild: Irgend etwas Schwarz-Weißes.

1975: Es geht auch ohne


Was in den 60er Jahren noch kaum denkbar war, ist ab den späten 70er Jahren plötzlich im Elsass normal: Man versteht Deutsch!

Deutsche kaufen im Elsass ein. Die Supermärkte sind größer und das Angebot ist exotischer im Vergleich zu Deutschland: Käse, der ausgereift ist, Maronencreme, Tomaten groß wie ein Ochsenherz und wunderbare Törtchen in den Konditoreien.

Aber auch Kochtöpfe und Pfannen von Schneider Creusot und Campingartikel von Camping Gaz reizen zum Kauf. Es lohnt sich sogar für eine Autoreparatur von Darmstadt nach Hagenau zu fahren, weil man dabei viel Geld sparen kann.
Der Wechselkurs ist einfach unwiderstehlich.

Die Deutschen sind zahlungskräftige und deshalb willkommene Kunden und die Grenze ist praktisch offen. Ich lerne sehr schnell: Wirtschaftliche Interessen verbessern enorm die Verständigung zwischen Völkern.

Wer braucht eigentlich Französisch?


Und dann kam Schengen


1992 fahre ich mit meinem Sohn über Belgien und Frankreich an die Kanalküste,
ohne dass uns bewusst wird, dass wir zwei Grenzen überschritten haben. Kontrollen: Null.

In Calais setzen 
wir mit der Hovercraft-Fähre nach England über. Bei der Ankunft in Dover werden wir dann ausgiebig gefilzt, weil die englischen Grenzbeamten nicht glauben wollen können, dass ein Mann mit einem 12-jährigen Kind und ohne Rückfahrkarte nicht die Insel erobern, sondern nur Urlaub machen will. 
Ich verstehe die Sprache super, aber nicht die Kontrolle.

An der Grenze gibt es einen Streik der französischen LKW-Fahrer, der zu langen Staues auf beiden Seiten des Kanals führt. Die englische Presse ist 'not amused', wie man auf der Karikatur sehen kann.

Zum ersten mal fühle ich mich den Franzosen ganz nahe: Sonst wurden nur die Deutschen so gnadenlos durch den Kakao gezogen, jetzt sind wir im gleichen Topf.
Vive l'amitié franco-allemande!

Paris 2014:


Mit 16 Schülern und Schülerinnen bin ich 1 Woche in Paris. Ich brauche 17 Metrotickets.
Am Schalter der Metro-Station geht das so:
Ich: "Bonjour, Je besoin dix-sept tickets pour le metro."
Sie: "Sie können Deutsch mit mir reden."
??? !!!

2017: Ich liebe weiterhin die französische Literatur, die Kultur, das Land und die Leute, aber:


Freitag, 12. Mai 2017

La France, Französisch and Me - Eine Geschichte von 60 Jahren #1

Mein Frankreich und ich - ein kompliziertes Verhältnis


In keinem Land habe ich so viele Urlaube verbracht wie in Frankreich. Keine andere ausländische Stadt habe ich so oft besucht wie Paris. Ich kenne den Norden Frankreichs, die Normandie (Grüße nach Dieppe!), das Zentralmassiv, die Bretagne, war an der Atlantikküste, in den Pyrenäen, an der Loire, der Ardèche und auch an der Rhône. Sabine und ich haben schon Urlaub am Atlantik gemacht, waren im Süden in Marseille, Avignon und Arles, auch am Genfer See. Und im Elsass war ich schon als Schüler.

In meiner Kindheit spielte ich mit Kindern aus deutsch-französischen Familien, ich hatte mich als Schüler in eine bezaubernde Französin verliebt und hörte französische Musik. Bevor ich noch lesen konnte hatte ich schon ein Französisch-Lehrbuch in der Hand und als ich es richtig gut konnte und alt genug war, las ich Sartre 'Die Wörter'.

Alles hätte so einfach sein können, wurde es aber nicht, denn - ich kann kein Französisch!
Und das kam so:

Mein Frankreich und ich: 1963





Ich wohne in Rastatt, rechts des Rheins, bin in der 7. Klasse der Mittelschule (Realschule) und meine Englisch-Note ist so schlecht, dass ich nicht Französisch als 2. Fremdsprache wählen darf. Und wir wohnen nur 5km von der französischen Grenze entfernt.

Damit hätte mein Verhältnis zu Frankreich und zur französischen Sprache schon beendet sein können, aber dem war nicht so, denn es gibt eine überraschende Vorgeschichte und es folgt noch manch anderes danach.

Die Vorgeschichte: 1945ff




Meine Mutter ist bei Kriegsende 20 Jahre alt und arbeitet im französisch besetzten Baden-Baden bei verschiedensten französischen Dienststellen: Hotels, Pensionen, Privatfamilien. In Baden-Baden wohnen 1945 und danach 30 000 Deutsche und ca. 45 000 französische Besatzungsangehörige mit Familien.

In dieser Zeit lernt meine Mutter einen Haushalt zu führen und richtig, d.h. französisch zu kochen, was sich später sehr förderlich auf mein Verhältnis zu meiner Mutter auswirkte. (Ihre Mutter, meine Oma, verfügte über diese Kochkunst leider nicht und konnte vermutlich deshalb mein Herz nie so richtig erwärmen.)
Und sie hat einen französischen Freund, Robert, aber nur für eine kurze Zeit, denn er wird nach Indochina versetzt und die Beziehung bricht ab.

Meine Tante ist mit einem französischen Besatzungssoldaten verheiratet und hat mit ihm einen Sohn der einen französischen Vornamen trägt, aber nur mit dem deutschen Namen gerufen wird. Die Ehe wird später geschieden.

In unserer Nachbarschaft wohnen viele Familien, deren Töchter in Frankreich verheiratet sind. Noch Jahre später kommen sie anlässlich der hohen Feiertage mit ihren Männern und Kindern aus Frankreich zu Besuch. Ich spiele in den 50er-Jahren zweisprachig mit deutsch-französischen Kindern, ich beneide sie um ihre schönen Schreibhefte mit den feinen Linien und später lese ich mit ihnen 'Salut les Copains', höre französische Schlager und abends die Hitparade auf dem gleichnamigen Sender.
Ich lerne auch die ersten französischen Ausdrücke: 'sales boche' und 'ta gueule'.

Das ist für mich alles total normal und für jemand aus einem anderen Teil Deutschlands wahrscheinlich ziemlich merkwürdig.

Meine Mutter erzählt mir, dass sie nach dem Krieg am liebsten nach Frankreich gegangen wäre, 'um richtig leben zu können'. Sie habe auch begonnen französisch zu lernen - und ich erinnere mich dunkel, dass ich als kleines Kind, als ich gerade so ein wenig lesen konnte, aus Langeweile immer wieder ein Buch durchblätterte, mit fremden Zeichen und schwarz-weißen Zeichnungen, die ich später als 'Roland' und 'Charlesmagne' identifizierte. Das war das Französisch-Lehrbuch meiner Mutter.

In der Mittelschule hat mir das alles leider überhaupt nichts genützt. Ich musste mich darauf beschränken, englische Texte zu lesen und zu übersetzen - und das war sicher eine weise Entscheidung meines Lehrers, wie - Jahre später - eine andere Episode meines Kampfes mit der französischen Sprache zeigen wird.

Mein Frankreich und ich: Marie-Jo



Die Winter in den frühen 60er Jahren sind alle sehr streng, der See im Stadtpark ist regelmäßig zugefroren und ich bekomme (anklemmbare) Schlittschuhe gekauft und zu Weihnachten 1963 oder 1964 sogar einen Eishockeyschläger mit Puck.

Jeden Tag sind wir auf dem Eis - und dort lerne ich Marie-José, genannt Marie-Jo, kennen.
Sie ist Französin, wohnt in der Nähe des Stadtparks und geht auf das Lycée Charles-de-Gaulle in Baden-Baden. Sie ist das schönste Mädchen auf der ganzen Welt, mit einer spitzen Nase und halblangen blonden Haaren. Wie Francoise Sagan aus 'Salut Les Copains'.
Ich lerne jetzt mehr Französisch. Jeden Nachmittag warte ich an der Straße bis ihr Schulbus passiert, dann renne ich in unsrer Wohnung, schnappe mir die Schlittschuhe - und ab in den Stadtpark:
Ich: Salut!
Sie: Salut!
Ich: Ca va?
Sie: Ca va bien, et toi?
Ich: Kalt isch! (für Nicht-Badener: Es ist kalt!)
Wie fahren nebenher, lächeln uns an und verabreden uns wieder für den nächsten Tag.
Mehr Französisch braucht es nicht.

Oder vielleicht doch? Nach der Schlittschuhsaison macht sich Marie-Jo rar. Ihre Freundinnen, die ich mittlerweile kennen gelernt habe, finden mich sehr süß, genauer: Sie himmeln mich an. Sie meinen: Marie-Jos Vater ist Offizier. und nicht sehr erfreut, wenn sie mit einem deutschen Jungen ankommt.
Schreiben kann ich ihr leider nichts, deshalb lasse ich Grüße ausrichten; ob sie je angekommen sind?

Mein Interesse an Frankreich und der französischen Sprache lässt stark nach. Ist aber noch nicht erloschen.

Es geht nicht ohne


Wir sind 14, 15 , 16 Jahre alt, also in den frühen 60er Jahren, und fahren in den Ferien immer wieder mal rüber ins Elsass. Die Grenze ist nah und mit dem Fahrrad ist das alles kein Problem.

Wir sind gerne im Elsass, denn dank des Umrechnungskurses sind Zigaretten extrem billig und Elsass ist Ausland, das ist schon mal eine Nummer.

Wir können aber kein Französisch. In den Kneipen, in denen wir gerne ein Panasch (für den Nicht-Badener: Alsterwasser, Radler) trinken wollen, wird zwar elsässisch gesprochen, das wir als Badener gut verstehen, aber sobald man uns als Deutsche erkennt, spricht man nur noch Französisch.

Das geht dann so:
"Drei Panasch bitte!"
"Panaché? Voila."

Wir sind zufrieden. Französisch ist gar nicht so schwer.

(Und wie es weiterging: hier)


Sonntag, 19. März 2017

'Vom Hölzche aufs Stöckche', wie der Hesse sagt

oder

Man kann seine Abende auch anders verbringen.

Ich habe gekocht und wir unterhalten uns beim Essen über das neue Unterrichtsprojekt von Sabine: Musikinstrumente. Sie muss das Thema für ihre Inklusionskinder bearbeiten. Als Musikbeispiel für Tasteninstrumente/Klavier schlage ich vor: Keith Jarrett, The Melody at night with you. Die Musik ist auf dem Tablet zur Hand und am besten gefällt uns "Shenandoah". 

Ich meine, das ist ein Lied über einen Fluss in USA. Nach kurzer Recherche mit dem Tablet stellt sich heraus: Es ist ein sehr trauriges Lied über die vergebliche Liebe zu einer indianischen Häuptlingstochter*:

Oh, Shenandoah,
I long to hear you,
Away, you rolling river.
Oh, Shenandoah,
I long to hear you,
Away, I'm bound away,
'cross the wide Missouri.

Wir recherchieren weiter und finden viele Interpreten des Liedes und sehr verschiedene Textversionen. Neben der Klavierversion von Keith Jarrett



- Arlo Guthrie



- Bruce Springsteeen



- Harry Belafonte


- Van Morrison

- Liam Clancy

- Ryczące Dwudziestki

- Tom Waits mit Keith Richards 
und viele andere. 
Jeder interpretiert das Lied in seinem eigenen, typischen Stil, es ist immer das gleiche Lied und doch immer anders dargeboten.

Wir klicken uns durch die Youtube-Vorschlagslisten und finden eine Version aus dem Western 'The legend of Shenandoah' mit James Stewart.




Zu Western-Musik fällt Sabine das Banjo-Gitarren-Duell aus dem Film 'Deliverance' ein, den wir beide kennen.
Wir lieben das Stück und hören und sehen es uns in der Filmversion an,


befragen Wikipedia nach dem Ursprung des Stücks (hier: Klick) und eigentlich würden wir uns den Film 'Deliverance' am liebsten sofort anschauen - leider liegt die DVD in Darmstadt und ist nicht auf dem Tablet gespeichert.

Sabine spült das Geschirr und geht zurück zu ihrem Unterrichtsprojekt, ich schreibe diesen Bericht und höre Arloh Guthrie.

*Nachtrag: 

Unsere Recherche ergibt: Shenandoah ist tatsächlich ein Fluss. Mehr zu Shenandoah: https://en.wikipedia.org/wiki/Oh_Shenandoah


Dienstag, 7. März 2017

Lust zu Lesen #3: Mein Lesejahr 2016

Lesen macht glücklich und schlau

Vier Bücher ragen aus der Leseliste des Jahres 2016 heraus, alle vier erstaunlicherweise "Kriegsbücher", die den 2. Weltkrieg thematisieren:
Von Curzio Malaparte  Die Haut und Kaputt, über beide habe ich ich bereits im Blogeintrag vom 13. Mai 2016 geschrieben,
und  zwei Bücher von Gert Ledig (* 4. November 1921; † 1. Juni 1999): "Vergeltung

                                       und "Stalinorgel".


Gert Ledig konnte mit seinen beiden Büchern in den 50er Jahren einige Erfolge feiern, verschwand dann in der Versenkung, tauchte zur Jahrtausendwende wieder als Neuentdeckung auf und ist heute wieder nahezu verschwunden.

Beide Bücher wären es wert Schullektüre zu werden - wenn man das das Thema Krieg überhaupt noch in der Schule behandeln möchte. In beiden Büchern wird auf schonungslose Weise der brutale, entmenschlichte Krieg nahezu dokumentarisch, emotionslos, kalt dargestellt und der Schrecken und das Entsetzen  ergeben sich nicht aus der literarischen Überhöhung, sondern aus der ungeschminkten Darstellung der Wirklichkeit. Ledig macht Bilder des Schreckens in einer Sprache sichtbar, die als Einzige der Ungeheuerlichkeit der Ereignisse angemessen scheint.
(Ausführlicher Besprechungen im 'Perlentaucher': Stalinorgel Vergeltung

Curzio: Das ist phantastische Wahrheit, bei der nie so ganz klar wird, was erfunden und was real erlebt wurde.
Ledig: Erfundenen Wirklichkeit; nichts wurde persönlich erlebt aber alles könnte genau so gewesen und erlebt worden sein.
Curzio ist der Schriftsteller, Ledig der Dokumentarist. Ledig ist Expressionismus, Curzio Surrealismus.
                                                                                                               


Sehr zu empfehlen auch: Hélène Berr, Pariser Tagebuch 1942-1944

Bei der Autorin erfahren wir, wie in Paris ab 1942 die Judenverfolgung einsetzt und unter deutscher Führung der Antisemitismus sich auch in die französische Gesellschaft frisst. 

Hélène Berr machte sich keine Illusionen: Ich habe eine Verpflichtung zu erfüllen beim Schreiben, denn die anderen müssen Bescheid wissen, denn Sie haben ein Ziel, die Vernichtung
Dabei fragte sie sich immer wieder Werden wir es bis zum Ende schaffen? Nein, sie schaffte es nicht. Im Februar 1944 endet ihr Tagebuch, kurz darauf wird sie verhaftet und stirbt 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Das Buch hat beeindruckt mich sehr: Seite für Seite spürt man die wachsende Unsicherheit, was die Zukunft der Autorin angeht, und mit jeder Seite wächst die Angst vor dem Kommenden und der verzweifelte Versuch, sich an die immer kleiner werdende Hoffnung, alles werde gut, zu klammern.
                                                                                                                

Im Vergleich dazu, quasi als Schonkost, nehme ich zum Jahresende ein altes Thema wieder auf: die Roaring Twenties und die Lost Generation  mit F. Scott Fitzgerald und Zelda, Hemingway, James Joyce, Henry Miller und vielen anderen, die mich schon vor mehr als 40 Jahren interessierten, als ich in einer Wühlkiste das Buch von Sylvia Beach - Shakespeare & Company - fand und für damals 1 DM kaufen konnte. Das Buch eröffnete mir eine neue literarische Welt (mehr davon in einem späteren Post).




                                                                                                                                                            

Anstoß zur neuerlichen Beschäftigung gibt ein neuer Roman von Stewart O'Nan: Westlich des Sunset, der die letzten Lebensjahre von FSF in Hollywood beschreibt, wo er als Lohnschreiber für die Filmindustrie - ziemlich erfolglos - an Drehbüchern mitwirkt.
                                                                                                                  

Der Roman wiederum motiviert mich zur Lektüre weiterer Bücher, die in den letzten Jahren zum Thema erschienen sind. 

Bei booklooker.de finde ich noch Älteres, allerdings in einer sehr ausschweifenden Sprache und betulicher Übersetzung, die mich beim Lesen einschlafen lässt:
Ungewollte Nebenwirkung: Nach der Lektüre von Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals finde ich das Buch von Stewart O'Nan doch zu sehr an der Biographie von FSF entlang geschrieben, so dass mir die Bezeichnung 'Roman" nicht mehr zu treffen scheint.










                                                                                                                   

Zwei Sachbücher zur Empfehlung, denen ich weite Verbreitung wünsche:
Karl Hepfer, Verschwörungstheorien


Hepfer erstellt einen Katalog typischer Merkmale von Verschwörungstheorien und Instrumente zur Analyse solcher Theorien (z.B. Ockhams Rasiermesser) und untersucht damit gängige Verschwörungstheorien (Nine-Eleven, Mondlandung ...) auf ihre Überzeugungskraft (die meistens nicht sehr stark ist).



Eine ausführliche Rezension findet man hier: http://literaturkritik.de/id/21134
Das älteste Argument gegen Verschwörungstheorien stammt vermutlich von Macchiavelli. Er schreibt sinngemäß in den Discorsi (1531), dass, je umfangreicher der Kreis der Verschwörer ist, desto größer auch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie auf Einbildung beruht, denn laut M. könne man sich nicht vor einer Offenlegung der Verschwörung schützen, sobald die Zahl der Mitwisser drei oder vier übersteigt. Deshalb kommen die meisten Verschwörungen über kurz oder lang ans Licht und, da an der Mondlandung, bei "Nine-Eleven" oder wo auch immer, in der Regel deutlich mehr als vier Personen beteiligt waren, kann man aus der Tatsache, dass niemand geplaudert hat messerscharf schließen, dass es auch keine Verschwörung gab. Touche.
                                                                                                                                                             

Jan-Werner Müller, Was ist PopulismusJan-Werner Müller schreibt in seinem Essay (zitiert nach der Ausgabe der "Bundeszentrale für Politische Bildung",S18f, dort jetzt nicht mehr erhältlich):
Populisten behaupten: ‚Wir sind das Volk!‘ Sie meinen jedoch – und dies ist stets eine moralische, keine empirische Aussage […]: ‚Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.‘ Damit werden alle, die anders denken […] als illegitim abgestempelt.“  und: "Populisten sind zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk." Und, möchte man ergänzen, ist entweder gekauft oder Volksverräter oder gar beides. "Demokratie ist ohne Pluralität jedoch nicht zu haben", woraus er folgert, "dass Populisten zumindest der Tendenz nach antidemokratisch sind".
                                                                                                                                                            
Die meiste Zeit verbringe ich jedoch nicht mit Büchern sondern mit dem Lesen unzähliger Beiträge zu Literatur, Kultur, Geschichte und Politik in diversen Blogs, z.B.:
und natürlich Facebook. 
Nicht zu vergessen der regelmäßige Blick in Spiegel Online.
Meine abonnierten Blogs organisiere und lese ich über den Newsreader feedly, der mir jederzeit alle aktuellen Einträge anzeigt und hilft, nicht die Übersicht zu verlieren. 

Interessante Beiträge lasse ich auf der Originalseite von der Chrome-Erweiterung Clip to Onenote ausschneiden und in meinen OneNote-Ordnern speichern.




Ein idealtypischer Lesetag hat einen einfachen Ablauf: 

Morgens zuallererst Frühstückslektüre mit der Südddeutschen Zeitung, danach einen Blick in SPON und bei Facebook vorbeigeschaut, was es Neues gibt -  bei Freunden und in den Gruppen. Nach 12.00 Uhr blättere ich feedly durch, dabei bleibe ich meistens beim Altpapier und beim Techniktagebuch hängen.

An den Tagen in Darmstadt lese ich die FAZ - natürlich im Cafe.
Erst am Nachmittag und am Abend geht es an die Bücher - und natürlich im Urlaub:








Die meisten Bücher kaufe ich online und bei der Büchergilde Gutenberg (siehe Post 'Lust zu Lesen#1).
Politische Bücher gibt es oft zu einem Spottpreis bei der Bundeszentrale für politische Bildung.





Manchmal kaufe ich auch beim örtlichen Buchhandel. Dort finde ich Hilfe in fast allen Fällen:

Lesen ist ein wesentlicher und beglückender Teil meines Lebens als Pensionär.



Montag, 30. Januar 2017

Lust zu Lesen #2: Wie es weiterging

Sabine hat mich gefragt, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben, bei welchen Büchern es sozusagen geklickt hat beim Lesen und das Bedürfnis entstand, auf Anspruchsvolleres als Pabel-Romane, Hör Zu und Bild am Sonntag umzuschwenken.
Vielleicht damit?

Wie man in der Vergrößerung sehen kann: Eine durchaus produktive Auseinandersetzung mit der Schullektüre!

Nein, es sind nicht die vielen Reclam-Heftchen, die wir im Deutschunterricht der Realschule (damals: Mittelschule) lesen und durcharbeiten müssen.

Und es sind auch nicht die Taschenbücher aus dem Rowohlt Verlag, die ich mir - aus freiwilligen Stücken! - für ein Referat bzw. für eine Abschlussarbeit anschaffe:

Der erste Roman, der mich wirklich umhaut, ist:

Ich bin Lehrling (heute: 'Auszubildender') in Ingelheim, und was mich am meisten am Roman fesselt ist die ungebremste Freiheitsliebe, die aus den atemlos gesprochenen Sätzen Jack Kerouacs spricht, die Lust am ungezügelten Leben und die Möglichkeit, sich einfach auf und davon machen zu können um dieses freie Leben zu genießen. Für einen Laborantenlehrling, der sich jeden Morgen unausgeschlafen am Gestank der Melasseproduktion vorbei zu seinem Arbeitsplatz schleppt, eine naheliegende Reaktion.

Kerouac begann seine Reise 1949, das Jahr meiner Geburt. Ich bin 17, als ich sein Buch lese und will in Zukunft nur noch schreiben wie Jack Kerouac.

In den folgenden Jahren habe ich das Buch immer wieder gelesen und jedesmal fühlte ich mich in meine Jugendzeit versetzt. 

Mit Kerouac beginnt auch das, was ich Lesekreise oder Lesewelten nenne: Nicht nur das einzelne Buch, sondern alles drumherum interessiert mich, und das heißt, möglichst viel aus dem Umfeld abzugrasen um den Autor, seine Freunde und die Welt, in der er sich bewegte, völlig in mich aufzunehmen. 
Jedes Buch soll Stein eines Mosaiks sein, das mir die Welt erklären kann.
Meine Mutter war dann immer wieder erstaunt, welch seltsame Bücher ich mir zu Weihnachten und zum Geburtstag wünschte.
Ein anderes Buch bietet Vorwand meinen Lehrvertrag nicht in einen regulären Arbeitsvertrag umzuwandeln. Mein Laborchef, ein Dr.-Pharmazeut, der in seinem Glaskasten immer die BILD-Zeitung liest, erwischt mich, wie ich während der Arbeitszeit aus meiner Schublade ein sehr anstößiges Buch hervor ziehe  - und schwärzt mich im Personalbüro an:
Monate später wird mir doch ein Arbeitsvertrag angeboten - von meinem hohen Ross herunter lehne ich ab; ich habe schon eine feste Zusage zur Aufnahme im Hessenkolleg Wiesbaden.
Noch als Lehrling muss ich für eine Woche ins Ingelheimer Krankenhaus. Die Mandeln werden herausgenommen. Viel Zeit zum Lesen - und wieder öffnet sich eine neue Welt:

Eine Woche dämmere ich vor mich hin, und wenn ich aufwache gibt es Tee, Eiscreme und Ulysses. In Zukunft will ich nur noch wie James Joyce schreiben.
Jahre später habe ich eine Verfilmung des Romans gesehen, kann mich aber nur noch an den Anfang ('Gravitätisch kam der dicke Buck Mulligan vom Austritt am oberen Ende der Treppe,...') und das Ende ('und ja ich sagte ja ich will ja') erinnern, dazwischen war ich eingeschlafen. Den Roman dagegen habe ich noch dreimal gelesen - immer im Abstand von ca. 10 Jahren.
Ich beginne dann doch nicht wie Jack Kerouac oder James Joyce zu schreiben sondern - die Zeiten sind 1970 so - wende mich einem ganz anderen Genre zu:

Das Lehrbuch wurde mir (mit anderen Büchern) aus Ost-Berlin zugesandt, nachdem ich beim ZK der SED höflich danach gefragt hatte, die Werke Mao Tse-Tungs kamen direkt aus Peking vom Verlag für fremdsprachige Literatur (zusammen mit ca. 500 Exemplaren der 'Mao-Bibel' in 20 kleinen Päckchen), ein Buch wurde in einem linken Buchladen geklauft und die anderen waren teilweise Raubdrucke, aber auch reguläre Bücher, die man in linken Buchhandlungen kaufen konnte.
Am Hessenkolleg Wiesbaden sollen wir unsere eigene Geschichte anhand dieses Buches reflektieren:
Ich mochte das Buch sehr. Erst später wird mir klar, welch zweideutig, verlogenen Schluss es hat, und von da an meide ich Kant.

Linke Literatur, Arbeiterliteratur, Literatur aus der Volksrepublik China ist das, was mich (und viele andere Stipendiaten am Hessenkolleg) interessiert - und das können wir auch: Arbeitswelt verstehen.


Es hätte so bleiben können, wenn uns nicht der Deutschlehrer gezwungen hätte, über die Sommerferien Dr.Faustus von Thomas Mann zu lesen. 

Der vordergründig betuliche Ton des Buches und seine mäandernde Sprache verstören mich nachhaltig. Ist das jetzt Bildung? Mir wird klar, wie Thomas Mann werde ich nicht schreiben können.

Als ich feststelle, dass die Schullektüre von Heinrich Manns Der Untertan unter meinem Blickwinkel zur marxistischen 'Klassenanalyse' degeneriert, ist es aus mit der linken Literatur.
Nachhaltig helfen mir dabei Wolfgang Leonhard und Arthur Koestler:

Nach dem Abschluss des Hessenkollegs und mit Beginn des Studiums betrete ich eine neue Lesewelt: Frankreich. Davon später mehr!

Samstag, 28. Januar 2017

Lust zum Lesen #1 Wie alles anfing

Aktualisiert

Ich lese gerne.                                                     

Das ist stark untertrieben, denn ich lese alles gerne. Nichts Gedrucktes bleibt liegen, ohne dass es gelesen worden wäre. Es ist eine Krankheit, unter der ich aber nicht leide.

Ich habe schon immer gelesen. Ich bin auch ziemlich sicher, dass ich lesend auf die Welt gekommen bin. Zumindest erinnere mich nicht an eine Zeit ohne zu lesen.

Die Lust zum Lesen überfällt mich schlagartig. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen müssen immer und überall griffbereit sein.

Küche

Schlafzimmer 

Arbeitsplatz

Wohnzimmer I

Wohnzimmer II
Habe ich kein Geld um billige Bücher bei medimops  oder booklooker zu kaufen, hilft manchmal ein Gang vors Haus:

Dort findet man nicht nur Mist (die gesammelten Vorschlagsbände aus dem Bertelsmann Lesering der 50er und 60er Jahre), sondern manchmal auch das eine oder andere Schätzchen (genau hinschauen):


Als Kind lese ich bei meiner Oma regelmäßig am Wochenende die Hör zu , sonntags die Bild am Sonntag und sonst werden die diversen Kataloge vom Baur-Versand, Neckermann, Quelle durchgeblättert. Es gibt immer etwas Neues zu sehen und: zu lesen.
In der Hör zu verfolge ich gespannt meinen ersten Fortsetzungsroman: eine ziemlich wilde Seeräubergeschichte aus der Karibik. Und in der Hör zu gibt es dann auch immer die Bildgeschichten von 'Mecki'; den ein oder anderen Band habe ich auch:


Mein allererstes Buch, an das ich mich noch heute gerne erinnere,  ist aber Zwieselchen  von Werner Bergengruen:

Es gefällt mir so gut, dass ich auch noch einen zweiten Band geschenkt bekomme:

Ansonsten gibt es natürlich die üblichen Märchenbücher: Grimms Märchen und Hauffs Märchen und vor allem: Andersens Märchen:


In den späteren Kindheits- und Jugendjahren kommen dann die Bücher von Hans Hass hinzu: Manta - Teufel im Roten Meer und Unter Korallen und Haien (Danke, Petra! ) und die unvergessenen 7 Jahre in Tibet von Heinrich Harrer. Letzteres in gekürzter Jugendausgabe (1957):

Das viele Lesen fällt in meiner Verwandschaft auf, deshalb werde ich immer mit Büchern beschenkt, was meine Leseleidenschaft weiter anstachelt.

Mein Mutter ist Mitglied im Bertelsmann Lesering. Also kommt jedes Vierteljahr ein neues Buch ins Haus, der sogenannte Vorschlagsband - und ich werde sie früher oder später fast alle lesen:

Das Erbe von Björndahl, Das Buch von San Michele, So grün war mein Tal, ...,
alles furchtbare Langweiler bis auf eine Ausnahme: Sinuhe der Ägypter! Da gibt es eine verfängliche Szene, die irgenwie von weißen Brüsten oder so handelt und für mich deshalb hocherotisch ist. Seltsam.
(Alle Bücher bekommt man heute noch bei Anbietern wie Booklooker.)

Mit 12 Jahren und auch später schwänze ich sehr oft die Schule. Es wird mir auch nie langweilig, denn: es gibt ja immer was zum Lesen. Eine meiner Tanten arbeitet in einem deutschlandweit bekannten Verlag für höchst anspruchsvolle Literatur und versorgt mich immer mal wieder mit falsch geschnittenen und deshalb unverkäuflichen Produkten des Verlags: Landser, Perry Rhodan, Utopia, Kommissar X und die Fix&Foxi-Hefte. Aus der Katholischen Leihbücherei gibt es Karl May 1-6 (seither kann ich Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abu Abas Ben Hadschi und so weiter fehlerlos aufsagen) und die Indianerromane mit Winnetou und Old Shatterhand.

Mitte 1960 kommen Taschenbücher auf den Markt. Eine Sensation für mich: gute, spannende Bücher zu konkurrenzlos niedrigen Preisen.
Mein erstes Taschenbuch, von eigenem Geld gekauft!
Die Jahre gehen lesend ins Land. Ich ziehe nach Ingelheim um eine Ausbildung als Chemielaborant zu absolvieren. Wie fast alle Lehrlinge (heute: Azubis) engagiere ich mich in der IG Chemie. Der zuständige Jugendsekretär der IG Chemie legt uns Jugendlichen eines Tages einen Aufnahmeschein für die Büchergilde Gutenberg vor (und noch einen für die SPD); die Werbeprämie - Bücher im Wert von 60DM(!) - dürfen wir behalten, d.h. in Büchern anlegen. 


Wir unterschreiben (beide Anträge!) und mein erstes Buch bei der Büchergilde ist dann:

Dem Konzept der Büchergilde, anspruchsvolle Literatur auch anspruchsvoll zu gestalten bin ich bis heute treu geblieben (der SPD nicht: Austritt 1979 nach dem NATO-Doppelbeschluss).


Zuletzt gekauft:

Sabine hat mich gefragt, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben, bei welchen Büchern es sozusagen geklickt hat beim Lesen und das Bedürfnis entstand, auf Anspruchsvolleres als Pabel-Romane, Hör Zu und Bild am Sonntag umzuschwenken.
Davon später mehr.