Samstag, 28. Januar 2017

Lust zum Lesen #1 Wie alles anfing

Aktualisiert

Ich lese gerne.                                                     

Das ist stark untertrieben, denn ich lese alles gerne. Nichts Gedrucktes bleibt liegen, ohne dass es gelesen worden wäre. Es ist eine Krankheit, unter der ich aber nicht leide.

Ich habe schon immer gelesen. Ich bin auch ziemlich sicher, dass ich lesend auf die Welt gekommen bin. Zumindest erinnere mich nicht an eine Zeit ohne zu lesen.

Die Lust zum Lesen überfällt mich schlagartig. Bücher, Zeitschriften, Zeitungen müssen immer und überall griffbereit sein.

Küche

Schlafzimmer 

Arbeitsplatz

Wohnzimmer I

Wohnzimmer II
Habe ich kein Geld um billige Bücher bei medimops  oder booklooker zu kaufen, hilft manchmal ein Gang vors Haus:

Dort findet man nicht nur Mist (die gesammelten Vorschlagsbände aus dem Bertelsmann Lesering der 50er und 60er Jahre), sondern manchmal auch das eine oder andere Schätzchen (genau hinschauen):


Als Kind lese ich bei meiner Oma regelmäßig am Wochenende die Hör zu , sonntags die Bild am Sonntag und sonst werden die diversen Kataloge vom Baur-Versand, Neckermann, Quelle durchgeblättert. Es gibt immer etwas Neues zu sehen und: zu lesen.
In der Hör zu verfolge ich gespannt meinen ersten Fortsetzungsroman: eine ziemlich wilde Seeräubergeschichte aus der Karibik. Und in der Hör zu gibt es dann auch immer die Bildgeschichten von 'Mecki'; den ein oder anderen Band habe ich auch:


Mein allererstes Buch, an das ich mich noch heute gerne erinnere,  ist aber Zwieselchen  von Werner Bergengruen:

Es gefällt mir so gut, dass ich auch noch einen zweiten Band geschenkt bekomme:

Ansonsten gibt es natürlich die üblichen Märchenbücher: Grimms Märchen und Hauffs Märchen und vor allem: Andersens Märchen:


In den späteren Kindheits- und Jugendjahren kommen dann die Bücher von Hans Hass hinzu: Manta - Teufel im Roten Meer und Unter Korallen und Haien (Danke, Petra! ) und die unvergessenen 7 Jahre in Tibet von Heinrich Harrer. Letzteres in gekürzter Jugendausgabe (1957):

Das viele Lesen fällt in meiner Verwandschaft auf, deshalb werde ich immer mit Büchern beschenkt, was meine Leseleidenschaft weiter anstachelt.

Mein Mutter ist Mitglied im Bertelsmann Lesering. Also kommt jedes Vierteljahr ein neues Buch ins Haus, der sogenannte Vorschlagsband - und ich werde sie früher oder später fast alle lesen:

Das Erbe von Björndahl, Das Buch von San Michele, So grün war mein Tal, ...,
alles furchtbare Langweiler bis auf eine Ausnahme: Sinuhe der Ägypter! Da gibt es eine verfängliche Szene, die irgenwie von weißen Brüsten oder so handelt und für mich deshalb hocherotisch ist. Seltsam.
(Alle Bücher bekommt man heute noch bei Anbietern wie Booklooker.)

Mit 12 Jahren und auch später schwänze ich sehr oft die Schule. Es wird mir auch nie langweilig, denn: es gibt ja immer was zum Lesen. Eine meiner Tanten arbeitet in einem deutschlandweit bekannten Verlag für höchst anspruchsvolle Literatur und versorgt mich immer mal wieder mit falsch geschnittenen und deshalb unverkäuflichen Produkten des Verlags: Landser, Perry Rhodan, Utopia, Kommissar X und die Fix&Foxi-Hefte. Aus der Katholischen Leihbücherei gibt es Karl May 1-6 (seither kann ich Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abu Abas Ben Hadschi und so weiter fehlerlos aufsagen) und die Indianerromane mit Winnetou und Old Shatterhand.

Mitte 1960 kommen Taschenbücher auf den Markt. Eine Sensation für mich: gute, spannende Bücher zu konkurrenzlos niedrigen Preisen.
Mein erstes Taschenbuch, von eigenem Geld gekauft!
Die Jahre gehen lesend ins Land. Ich ziehe nach Ingelheim um eine Ausbildung als Chemielaborant zu absolvieren. Wie fast alle Lehrlinge (heute: Azubis) engagiere ich mich in der IG Chemie. Der zuständige Jugendsekretär der IG Chemie legt uns Jugendlichen eines Tages einen Aufnahmeschein für die Büchergilde Gutenberg vor (und noch einen für die SPD); die Werbeprämie - Bücher im Wert von 60DM(!) - dürfen wir behalten, d.h. in Büchern anlegen. 


Wir unterschreiben (beide Anträge!) und mein erstes Buch bei der Büchergilde ist dann:

Dem Konzept der Büchergilde, anspruchsvolle Literatur auch anspruchsvoll zu gestalten bin ich bis heute treu geblieben (der SPD nicht: Austritt 1979 nach dem NATO-Doppelbeschluss).


Zuletzt gekauft:

Sabine hat mich gefragt, welche Bücher mich am meisten beeinflusst haben, bei welchen Büchern es sozusagen geklickt hat beim Lesen und das Bedürfnis entstand, auf Anspruchsvolleres als Pabel-Romane, Hör Zu und Bild am Sonntag umzuschwenken.
Davon später mehr.










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen